Wenn die Kiefer im Schlaf mahlen

Entspannung kann bei Zähneknirschen helfen

26.01.09 (psg). “Beiß’ die Zähne zusammen”, lautet eine gängige Durchhalteparole. Genau das tun viele Menschen nachts, zuweilen auch tagsüber – sie pressen die Kiefer und Zähne zusammen oder reiben sie aneinander, ohne es zu merken. Dabei kann ein Druck entstehen, der um ein Zehnfaches über dem normalen Druck beim Kauen liegt und einem Gewicht von bis zu hundert Kilogramm entsprechen kann. “Bei nachhaltigem Kiefermahlen und Zähneknirschen sollten Betroffene zum Zahnarzt gehen”, rät Dr. Wilhelm Bulk, beratender Zahnarzt des AOK-Bundesverbands. “Denn das sogenannte Bruxieren kann Zähne und Zahnhalteapparat sowie Kiefermuskulatur und -gelenke schädigen.”

Besonders Frauen zwischen 18 und 50 Jahren knirschen nachts mit den Zähnen oder pressen sie aufeinander. Ein erstes Anzeichen ist meist ein Muskelkater der strapazierten Kaumuskulatur nach dem morgendlichen Aufwachen. Langfristig kann die permanente (isometrische) Anspannung zu einer Verhärtung und Verkürzung dieser Muskeln führen. Verspannungen und Schmerzen am Muskelansatz sind die Folge. Da insbesondere auch der Schläfenmuskel davon betroffen ist, können daraus Kopf-, Ohren- und Nackenschmerzen resultieren, warnt Zahnarzt Dr. Bulk. Die Kaumuskulatur und Kiefergelenke sind außerdem anatomisch eng mit dem Trigeminusnerv verbunden, einem Nerv im Gehirn, der oft für Kopf- und Gesichtsschmerzen sowie für Migräne-Anfälle verantwortlich ist. Dass das Kiefermahlen und Zähneknirschen Auslöser für diese Schmerzen sind, wird häufig erst spät erkannt.

Schäden an den Zähnen
Besonders sichtbar werden bei chronischem Verlauf Schäden an den Zähnen. “Durch das permanente Aufeinanderreiben der Zähne kommt es zu einem Abrieb von Zahnschmelz und Zahnbein, was auch zu Zahnschmerzen führen kann,” sagt Bulk. Defekte am Zahnhals und Risse im Schmelz können ebenfalls Folge von Bruxismus sein. Durch den starken Druck können Zähne sogar in ihrer Längsachse brechen. Das passiert besonders, wenn die Zähne schon ausgedehnte Füllungen haben. Bei Menschen mit einer Zahnbetterkrankung (Parodontitis) können sich die Zähne vorschnell lockern. Oft ist der Lebenspartner der erste, der das Problem infolge der nächtlichen Knirschlaute bemerkt. “Das Kiefermahlen oder Zähneknirschen sollte zahnärztlich zunächst symptomatisch behandelt werden, um schlimmere Schäden zu verhindern”, empfiehlt Bulk. Betroffene erhalten von ihrem Zahnarzt in der Regel eine sogenannte Aufbissschiene, um die Zähne vor weiterem Abrieb zu bewahren.

Ursachen herausfinden und behandeln
In der Folge ist es allerdings wichtig, die Ursachen der nächtlichen Aktivitäten herauszufinden und zu behandeln. Meist beruht das Zähneknirschen oder -pressen auf starker innerer Anspannung. Gründe dafür können beruflicher Zeitdruck, familiäre oder finanzielle Probleme sowie Prüfungsangst sein. Zum Stressabbau eignen sich Entspannungstechniken wie autogenes Training, Yoga und progressive Muskelentspannung. Betroffene können mit ihrem Arzt besprechen, was sonst noch helfen kann. “Meist ist eine interdisziplinäre therapeutische Zusammenarbeit von Zahnärzten, Neurologen, Physio- und Psychotherapeuten notwendig, um die Ursachen des Bruxismus zu behandeln”, sagt Zahnarzt Bulk.

Nach neueren Forschungen wird vermutet, dass das zentrale Nervensystem eine entscheidende Rolle bei der Entstehung des Bruxismus spielt. Dagegen scheinen zu hohe Füllungen oder Kronen, schlecht sitzender Zahnersatz, fehlende Zähne oder eine fehlerhafte Position des Unterkiefers im Verhältnis zum Oberkiefer keine entscheidende Rolle zu spielen, weiß Bulk und fügt hinzu: “Das bedeutet allerdings nicht, dass diese Befunde nicht behandelt werden sollten.”

Quelle: Presseservice AOK