Auch Lücken im Milchgebiss sollten versorgt werden

Bei Zahnverlust, vor allem im Frontbereich, gibt es verschiedene Möglichkeiten: Man kann bei Erwachsenen ein Implantat setzen, sich für eine klassische Brücke oder für eine Klebebrücke entscheiden. Kleinere Lücken kann man auch mit einer Zahnverbreiterung schließen, für die Komposit-Materialien zur Verfügung stehen, die non-invasiv und reversibel angebracht werden können. Und auch mit kieferorthopädischen Maßnahmen kann man gute Erfolge erzielen – sogar bei erwachsenen Patienten. Wie wichtig die Versorgung einer Zahnlücke selbst im Seitenzahnbereich ist, machte der Präsident der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg, Dr. Udo Lenke, deutlich. Er wies darauf hin, dass das menschliche Gebiss mit allen seinen Zähnen ein bewegliches System ist, das auf Veränderungen sensibel reagiert. Fehlt ein Zahn und damit der Gegenkontakt beim Zubeißen, wächst der Zahn aus seiner Reihe heraus. Solche Zahnwanderungen führen dann zu Fehlstellungen und zu schwer zugänglichen Nischen, was der Bildung von bakteriellem Zahnbelag mit Folgen wie Karies und Zahnfleischerkrankungen Vorschub leistet. Zudem wirkt sich die gestörte Funktionalität des Kauapparates negativ auf die Allgemeingesundheit aus.

Kleinkinder mit Milchzahnkaries
Vor diesem Hintergrund wurde schnell klar, warum selbst bei Kleinkindern frühe Zahnlücken, die aufgrund von kariösen Defekten oder durch Unfälle entstanden sind, geschlossen werden sollten. Da die Milchzähne unter anderem als Platzhalter für die nachrückenden Zähne dienen, sollte diese Funktion erhalten werden. Wenn sich die später durchbrechenden bleibenden Zähne nicht mehr korrekt in die Zahnreihe einordnen, sind oftmals aufwendige kieferorthopädische Korrekturen nötig. Dr. Stefanie Feierabend von der Klinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie in Freiburg demonstrierte, mit welchen Methoden Zahnlücken im Milch- und Wechselgebiss offen gehalten werden können, damit die nachwachsenden bleibenden Zähne an der vorgesehenen Stelle durchbrechen. Was ihr Vortrag ebenfalls zeigte, war die traurige Tatsache, dass trotz allgemein guter Mundgesundheit bei Kindern und Jugendlichen vor allem Kleinkinder unter drei Jahren an Karies leiden, meist durch Nuckelflaschen bedingt. Sie müssen häufig in Narkose behandelt und mit herausnehmbaren oder festsitzenden Lückenhaltern, Brücken oder sogar Kindergebissen versorgt werden. Nur so kann man Probleme bei der Lautbildung und beim Schluckvorgang verhindern und durch einen funktionierenden Kauapparat dafür sorgen, dass eine gesunde Ernährung den wachsenden Organismus stärkt. (Dorothea Kallenberg)

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